Bergsteigereien, Langzeitaufenthalt in Svolvaer, das Wikingermuseum und Wettervorhersagen für die Tonne


Die kurze Überfahrt auf die Lofoten verlief ruhig und wir erreichten am Nachmittag Fiskebö. Nur einen Kilometer fuhren wir noch, um auf einem riesengroßen und vollkommen unfrequentierten Platz eine Stelle für die Nacht zu finden.
Extrem ruhig ging es da natürlich zu, und morgens fuhren wir bei etwas bedeckterem Himmel los in Richtung Südost. Digermulen und Arsteinen hießen unsere Ziele für die kommenden zwei Tage.

In Digermulen (dass sich da jetzt niemand Gedanken macht, weil er das noch nie gehört hat!) ist vor ich glaube 8000 Jahren irgend ein Norwegischer König mal einen Berg hoch geklettert, und seitdem finden die Norweger das eine tolle Strecke. Für mich ist das eher der Beweis, dass Könige zumindest damals nicht ausgelastet waren… Nun, unser Kaiser Wilhelm II war 1889 und 1903 ebenfalls da oben (große Tafeln mit Inschrift…), und wer hätte erraten, dass die Müllersfrau eben dort hinauf  mochte.
Das Wetter besserte sich und die Aussichten waren wirklich schön, über die Kraxelei lässt sich aus der Sicht eines Gruppenmitglieds streiten.

"Keiservarden"- Wanderung Digermulen




Nach der Tour fuhren wir weiter nach Asteinen (das ist nicht so "riesig" wie Digermulen und besteht aus vielleicht zwölf Häusern; aber es geht da nicht mehr weiter, außer man schwimmt…). Einen schönen und – logisch – unfassbar ruhigen Übernachtungsplatz fanden wir dort.

Natürlich fuhren wir nur deshalb dorthin, weil es eine Wanderung auf einen mächtigen Berg gibt. Tolle Aussichten lockten, und wir freuten uns schon am Vorabend: der Waldschrat, dass er am Folgetag „endlich“ mal bergwandern kann, und ich auf einen Ruhetag.
Glück hatte sie ja, die Müllerin, denn als ich sie wieder abholte (ich hatte in einem anderen und tatsächlich noch winzigeren Ort - nicht einmal auf der Karte verzeichnet - einen Angelspot gesucht, wenn auch vergeblich), stieg sie ein und es begann exakt da zu regnen. Natürlich war es eine wunderbare Wanderung.

Wanderung über Arsteinen



Das war so etwa am frühen Nachmittag, und von da ab wurde es alle halbe Stunde schlechter mit dem Wetter. Dazu kühlte es von 21 Grad am Vortag auf 14 Grad ab.
Wenigstens fanden wir in Svolvaer, der größten Stadt auf den Lofoten, sehr schnell einen wunderschönen Stellplatz. An einem See am Ortsrand gelegen. Wer es genau wissen mag, die größte Stadt der Lofoten hat einen Flughafen und zählt etwa 4500 Einwohner…


Was ein toller Stellplatz am Ortsrand Svolvaer - bei Sonne!

Einkaufen wäre zwar nicht schlecht gewesen, aber sonntags ist hier zu.
Das erledigten wir dafür gleich am Montag. Dann hatten wir auch zu ent- und versorgen. Während ich dann mal ein paar Stunden angelte (immerhin war mit den Dorschen und Seelachsen danach die Mahlzeit für den Folgetag gesichert!), übte sich das Wuschele vor allen in shopping. Also in einem Laden war sie insgesamt dreimal…
Wir übernachteten nochmal am gleichen Platz, planten ein bisschen für die Folgetage und hofften auf ein wenig Wetterbesserung.

Hafensicht Svolvaer (beim Angeln, nur Wolken!)
 
Diese gab es, denn wir wachten bereits mit Sonne auf! Also stand dem Plan, am Dienstagmorgen unseren und einen anschließenden größeren See zu umwandern, nichts entgegen. Elf Kilometer, so die Angaben, dreieinhalb Stunden.
Es gab schöne Motive, und bis zur Hälfte nur ab und zu einige Steigungen, die natürlich über Felsen zu erklettern waren.

18 Kilometer lange 11-KM- Wanderung...








Eine Eingeborene begegnete uns mit einem Eimer voller Heidelbeeren und denen, die ich erst tags zuvor gegoogelt hatte, weil sie uns vereinzelt immer wieder begegneten. Es waren „Moldebeeren“, der Norweger Lieblingsbeeren (MÜSSEN an Weihnachten irgendwann dabei sein!), meist als Marmelade, oft auf Eiscreme und manchmal wohl auch verwendet wie bei uns Preißelbeeren, wenn es Wild gibt. 45 Euro kriegt der Sammler hier fürs Kilo, denn die wachsen immer nur im Sumpf oder auf dem Berg…
Wir plauderten ein wenig mit ihr und man glaubt es nicht, im Anschluss sammelten wir bald ein Kilo von dem seltenen Zeug.

 

Erfolgreiche "Moldebeere"- Sammlung
 
Leider artete der dreieinhalb Stunden dauernde Trip auf fünf Stunden aus (okay, mal fotografiert, gesammelt, mal gequatscht und ein Päuschen eingelegt), leider war gut ein Drittel des Rückweges kein See zu sehen, dafür war ein Berg hoch und natürlich anschließend wieder runter zu klettern und statt der elf Kilometer zeigte meine entsprechende app 17,75 KM! Der Kalorienzähler tillte (er kann nur vierstellig), meine Sprunggelenke bekamen die Form von Basketbällen und meine Knie meldeten Insolvenz an! Aber mein Herz scheint wirklich gut zu sein, davon gehe ich aus…

Hafensicht Svolvaer (beim Angeln, und bei Sonne)

Nach einer mehr als nötigen Dusche und dem Verlust von einem Kilo Bart versorgten wir das WoMo, und während ich noch ein Weilchen angelte, entdeckte die beste Ehefrau von allen ein „Vinmonopol“ (das ist der einzige shop, in dem so schrecklich Hochprozentiges wie Wein verkauft werden darf…), wo es Chilenen, Argentinier und Australier gab. Nicht unter zehn Euro natürlich, aber auch nicht teurer. Sie brachte ein bisschen was mit („Concha y Torro“, Cabernet Sauvignon ), weil inzwischen absehbar ist, dass die medizinische Versorgung durch Rotwein gegen Ende doch etwas eng werden könnte…
Wir schliefen erneut und damit zum dritten Mal an „unserem“ See am Ortsrand von Svolvaer.

Als wir am nächsten Morgen starteten, hingen die Wolken, aus denen es überdies noch regnete, nur noch knapp oberhalb des Wagens. Sehr ungünstig, wollten wir doch über Kabelvag (ganz belannt!) bis Henningsvaer fahren, das von den Einheimischen „Venedig der Lofoten“ genannt wird.
In Kabelvag parkten wir dem Wetter trotzend und marschierten durch den Ort bis zum Hafên. Dabei durchschlenderten wir die Fußgängerzone, die tatsächlich 60 Meter lang ist! Aber es gibt dort eine von zwei aus Ulm ausgewanderten Brüdern betriebene Bäckerei; leider konnten sie uns keine Brezel verkaufen, da die Nachfrage zu groß sei. Eine schwäbische Seele hätt‘s gegeben.
Als sie bei der Kirche Eintritt wollten, sattelten wir wieder auf…

Digermulen, Hafen


Digermulen, "Fußgängerzone"...

Nach Henningsvaer führt eine acht Kilometer lange Sackgasse, nicht wirklich breit. Am Ortsbeginn empfingen uns ein völlig überfüllter Parkplatz und eine zu allem entschlossen drein blickende „Zettelhexe“. Letztlich fragte ich sie so charmant als möglich, ob wir so (war klar, dass nicht, da behindernd) stehen bleiben könnten – und wie erhofft lotste sie uns auf einen zwar nicht offiziellen, aber sehr brauchbaren Parkplatz.

„Venedig der Lofoten“ scheint uns ein wenig sehr übertrieben, und auch sonst (okay, das Wetter war wirklich mies) hätten wir uns irgendwie etwas mehr von dem extrem touristischen Städtchen erhofft. Aber so schlimm, wie zwei deutsche Touristen schimpften („nix geteert“, „zerfallene Hauswände“ usw.), so schlimm war es beileibe nicht. Trotzdem – und auch mangels Möglichkeiten – blieben wir nicht über Nacht.
 

Henningsvaert - noch reichlich entfernt von Venedig...


Großbäckereien werden sowieso völlig überschätzt...

Den Motiven an der Hauswand nach ist hier häufig schlechtes Wetter...

Wir fanden einen guten Platz einige Kilometer weiter an einer Vogelbeobachtungsstation. Sogar beobachten wollten wir zuerst, allerdings zeigte sich das einzige Federvieh gut einen halben Kilometer entfernt über den See hinweg, so dass wir uns lieber gleich ans Abendessen machten. Was übrigens den kompletten Regentag zu einem Feiertag verwandelte! Denn es gab Fleischküchle aus Lammfleisch, und das war Hammer gut!

Die Wettervorhersage orakelte nochmal einen Tag mit bedecktem Himmel und dann acht Sonnentage, bei sinkender Temperatur (von 21 auf 10 Grad) allerdings. Mit dem könnten wir gut leben.
Unsere Fahrt dauerte – wobei wir noch eine Extrarunde um eine kleine Halbinsel herum einbauten – gute 25 Kilometer bis Borge. 

 
Eines dieser immer wieder irgendwo stehenden Kunstwerke



Dort stellten wir gleich für die Nacht am Wikingermuseum ab und besuchten dieses intensiv. Es ist sehr gut gemacht; ein Häuptlingshaus am Originalplatz originalgetreu nachgebaut, etliche alte Gegenstände, outdoor- activities (Wikingerboot rudern zB oder Streitaxt werfen), und die Angestellten in entsprechenden Gewändern.

Original- Nachbau eines Wikinger- Häuptlinshauses
 



Ich war ja schon immer ein Waffennarr :-)))




Unsere Erwartungen für den nächsten Tag, der ja bereits mit reinem Sonnenwetter angekündigt war, wurden jäh enttäuscht! Außer wolken- und Nebelschwaden, die beinahe sogar das WoMo einhüllten, gab es nix! Von Sonne keine Spur! Damit ist spätestens jetzt klar, dass die Wettervorhersagen für die Lofoten wie für die Västeralen im Prinzip komplett für die Tonne sind!
Für uns hieß das, Pläne versuchen ein wenig umzuwerfen und anzupassen sowie weiter auf Besserung zu hoffen.
Wie es uns dabei erging und was passiert sowie die offiziellen Regenmengen und temperaturangaben berichten wir unter diesem link bei passender Gelegenheit.
Liebe Grüße an alle, gesund bleiben und der Hitze erstens trotzen und zweitens das beste abgewinnen,

Marion "IchhassedasWetter" & Tommy "SuperNebelfoto"

Kommentare