Bodö, der Welt schnellster Gezeitenstrom, Schweizer Nationalfeiertag, die „Treppen zum Himmel“ und Fährenalarm- Tag


Nach einer ruhigen Nacht versorgten wir das WoMo und dann verließen wir Reine, mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Weinend, weil es eine wirklich superschön gelegene, kleine Ortschaft ist, und lachend, weil (wenn mal weg) jetzt niemand mehr auf die Idee kommen konnte, „vielleicht wegen der Aussicht doch nochmals“, … „so schlimm war es ja nicht“, … „Zeit hätten wir“…, naja.



Und dann ging plötzlich alles sehr, sehr schnell! Wir erreichten A, die südlichste Ansiedelung auf den Lofoten. Die Straße hörte auf, ein Parkplatz, fertig! Wir durchschlenderten das kleine Städtchen, Frau Müller gelüstete nach einer Zimtschnecke („soll man sich bei der hiesigen Bäckerei nicht entgehen lassen“), ein paar Fotos, vor dem noch geschlossenen Stockfischmuseum stehen und mehr gab’s halt nicht.



Nimmt jetzt wenig Platz weg der Name...







Und so drehten wir und erreichten ruck- zuck den Fährhafen von Moskenes. Gerade rechtzeitig übrigens, um die Fähre aufs Festland ablegen zu sehen…

Nun, die nächste fuhr ja auch schon dreieinhalb Stunden später, also warteten wir in Linie eins an zweiter Stelle.



Die Überfahrt nach Bodö verlief über die gesamte Dauer von gut drei Stunden bei spiegelglattem Meer vollkommen ruhig.

Unweit des Hafens hatten wir uns einen Platz für die Nacht bereits vorgemerkt und den erreichten wir auch schnell.

Nach einer vernünftigen Mahlzeit (es gab gebratene Hähnchenschenkel mit Salat),  einem Spaziergang durch die eher verschlafene Fußgängerzone, zum Dom  und am Yachthafen vorbei beendeten wir den Abend gegen 23 Uhr; noch immer gab es keine wirkliche Dunkelheit.

Bodö





Erster Anlaufpunkt in Bodö (wo wir wie schon am Vortag eine Maut für die „Fahrt in die Innenstadt“ bezahlten (soll heißen „Schild, 20 Meter weiter ein Foto und in drei Monaten eine Rechnung nachhause…“) war eine Ver- und Entsorgungsstation, dann ein Supermarkt, denn es war quasi alles aus, was frisch war, und dann eine im Netz heraus gefundene Firma, die angeblich Gasflaschen füllt (die Alternative war 80 Kilometer entfernt). 10.30 Uhr, Firma geschlossen, ein Schildchen mit einer Telefonnummer und weit und breit auf dem gesamten Gelände nichts zu erkennen von irgendwas, das danach aussah, dass man Gasflaschen befüllen könnte… Während den Überlegungen, neu zu googeln, die Telefonnummer anzurufen oder direkt weiter zu fahren, erschien eine Mitarbeiterin, bejahte die entsprechende Frage, öffnete einen Container, in dem die notwendigen Gerätschaften standen, und nach fünf weiteren Minuten hatten wir alle beiden (11 und 5 Liter) Flaschen zu einem ganz reellen Preis voll bis zum Rand!



Wir hatten schon lange entschieden, auf dem Weg Richtung Trondheim die Straße Nr. 17 zu fahren. Zwar werden sechs oder gar sieben Fährfahrten auf uns zukommen und mit zusätzlich 635 Kilometern mehr als auf der E 6- Alternative, aber immerhin soll es sich um eine der schönsten Küstenstraßen weltweit handeln.

Die Sonne schien und wir bogen auf die 17 ein. Bald kamen wir am „Saltstraumen“ an; dort findet man den schnellsten Gezeitenstrom weltweit, und das ist tatsächlich einigermaßen beeindruckend. Zudem hieß es, man könne dort gut angeln, was ich auch tat. Okay, den Profis dort konnte ich natürlich nicht das Wasser reichen, ich angelte insgesamt auch nicht so lange wie die, aber ich fing immerhin so viel, dass eine gute halbe Mahlzeit für uns gesichert war!



Am "Saltstraumen", dem schnellsten Gezeitenstrom der Welt
 



Strömungsangeln



Wir stoppten unterwegs noch ein paarmal für ein Foto und ein Kunstwerk, wie zB „Die vergessene Stadt“ (ich nenne es ja nur „Nicht fertig geworden“) oder eine Runde superfeine, extrareife Heidelbeeren sammeln.


Kunst unterwegs: "Die vergessene Stadt" - ... oder sind sie einfach irgendwie nicht fertig geworden?

Sammeln ist das eine - verarbeiten das andere





Dann stellten wir uns einsam und alleine im Grünen bei  Storvika  für die Nacht ab.

Neben uns gesellte sich dort ein deutsch-schweizerisches Paar, die sehr netten und angenehm relaxten Lieselotte und Dirk, mit denen wir am Abend „verhockten“ und den Schweizer Nationalfeiertag bei ein, zwei Gläschen Wein „feierten“. Tatsächlich quatschten wir aber natürlich vor allem von alten und noch kommenden Reisen.



Morgens, und nach einer vollkommen geräuschlosen Nacht versorgten wir das WoMo mit Wasser und Sprit am unweiten Rastplatz, dann nahmen wir wieder die 17 unter die Räder. Ein paar Fotostopps und wirklich schmucke Aussichten gab es, bis wir direkt vor dem „Svartissen“- Tunnel abbogen und zu den in Norwegen berühmten Fykan- Treppen fuhren, die man hier „Treppen in den Himmel“ nennt.


Wo der Schwertfisch hin zeigt, wurde im 2. WK ein dt. U- Boot versenkt

Klar war ja seit dem „Reinebringen“, dass es – was Stufen angeht – schlimmer nicht mehr kommen kann. Und es kam schlimmer! Zwar hatten wir – zufällig fuhren auch die gerade genannten Lieselotte und Dirk auf den Parkplatz ein und beschlossen spontan, uns zu begleiten – dann bloß 1229 Stufen zu bewältigen, aber die führten tatsächlich sehr oft quasi senkrecht hinauf – und nach einem Kaffee oben und einigen Fotos – ebenso steil wieder hinunter! Viele nahmen die Abwärtsstufen rückwärts. Keine schlechte Idee, denn man guckt dann nicht so ins Nichts…



1229 Stufen - aber ganz schön steil...



Hoch geschaut...

... und runter geschaut

Schöne Aussicht oben


Und endlich geschafft




Im Anschluss durchfuhren wir den schon erwähnten, aber siebeneinhalb Kilometer langen Tunnel, dann stoppten wir an einer grandiosen Stelle für die Nacht; „unverbaubare“ Sicht auf den „Svartissen“- Gletscher von der Westseite her, den wir ja auf dem Hinweg von Mo i Rana aus schon besucht und erklettert hatten.



Toller Übernachtungsplatz - und geile Sicht auf den "Svartissen"- Gletscher





Der Samstag sollte kein Schönwettertag werden, erstmals seit einer Woche. Aber wir hatten sowieso nur Strecke und Fähren vor uns. Bei der zweiten Fähre war es dann erstmals soweit: wir waren das erste Fahrzeug, das nicht mehr mit hinein passte… bad luck! Und eineinhalb Stunden warten! Also Gymnastik bei der einen und Schreibarbeiten bei dem anderen…

Dafür fanden wir später im Bereich Flostrand einen wunderschönen Stellplatz für die Nacht, einen Angelplatz, an dem man gerne Material hängen lässt (ich) und eine Stelle, an der die Heidelbeeren direkt laut bettelten, mitgenommen zu werden (Miss Latsch).







Am Folgetag war immer noch eher unschönes Wetter, vor allem die tief hängenden Wolken ließen manches Foto erst gar nicht entstehen. Wir fuhren wieder mal eine Fähre (wo sie uns einfach nicht abkassieren wollten…) und kamen in den Bereich von Sandnessjoen, wo wir die (als solche gekürte) „schönste Brücke Norwegens“ befuhren. Und eigentlich anhalten und eine Wanderung im Bereich der „Sieben Schwestern“ unternehen wollten. Das sind sieben Berggipfel hübsch aneinander gereiht, man könnte sogar (in zwölf Stunden etwa) vom ersten bis zum letzten wandern. Aber die Damen trugen allesamt ein wenig schmuckes uni- graues Kleidchen und hüllten sich „oben rum“ ziemlich zickig ein, so dass wir von einer näheren Begegnung absahen.



Zur schönsten Brücke Norwegens gekürt: die vor Sandnessjoen

Und wieder eins der Kunstwerke am Wegrand

Im Hintergrund die nicht sichtbaren Gipfel der "Sieben Schwestern"




Von den zwei bereits weiter südlich reisenden Lieselotte und Dirk bekamen wir den Tipp, dass man unterwegs Elche sehen könne; ihnen ist es zumindest gelungen. Da unser Plan ohnehin nur bis in diesen Bereich, nämlich Tjotta, vorhanden war, traf sich das gut, und während die Müllerin gleichmal drauf los wanderte (ich glaube viermal großräumig um Ortschaft und Außenbezirke), angelte ich im Bereich des Hafens eine Weile. Zuerst vervollständigte ich meine aus Möwe und Krebsen bestehende Auswahl an unnützem Fang um einen kleinen Seestern, der sich an meinem Krabbenköder zu schaffen machte, aber dann sorgte ein 1,3 Kilo schwerer Seelachs dafür, dass wir ein sehr frisches und sehr ordentliches Abendessen vor uns hatten.



Wahnsinn! Und gerade so an Land gebracht: Seelachs, 1,21 Meter lang und 19,4 Kilo schwer :-)))))



Nur ein paar Kilometer vom Fährhafen entfernt stellten wir uns für die Nacht. 


Schöne Ecke bei Tjotta



Für den späteren Abend nahmen wir uns vor, nach Elchen Ausschau zu halten. Immerhin wird es ja inzwischen wieder dunkel in der Nacht, wenigstens ein Weilchen.

Was aus der Elchsafari wurde und ob wir etwas gesehen haben, wie es auf der wunderbaren Strecke der E 17 weiter geht und was noch alles auf uns zukommt oder nicht, berichten wir unter diesem link bei Gelegenheit.

Herzliche Grüße von





Wuschele IchmagdieTreppenja & 
Tommy IchsprechjetztjaauchAngellatein

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